- Forschung
„…dass wir Verantwortung übernehmen, liegt in der Logik des Ortes.“ Eine neue Publikation des RIAS-Bundesverbandes legt den Grundstein für antisemitismuskritische Vermittlung an NS-Gedenkstätten
Am 18. März 2026 wurde in der Gedenkstätte Sachsenhausen die Publikation Antisemitismuskritische Zugänge für NS-Gedenkstätten des RIAS-Bundesverbandes unter dem Titel „…dass wir Verantwortung übernehmen, liegt in der Logik des Ortes“ vorgestellt.
Andreas Büttner, der Beauftragte zur Bekämpfung von Antisemitismus im Land Brandenburg, verwies in seinem eindringlichen Grußwort auf die große Zahl gewalttätiger antisemitischer Attentate, die bereits in den ersten Monaten des Jahres 2026 verübt worden waren.
Nicht zuletzt seit dem 7. Oktober 2023 haben antiisraelischer Antisemitismus und gewalttätige Angriffe auf Jüdinnen und Juden massiv zugenommen. Auch antisemitisch motivierte Angriffe auf Orte des Gedenkens an die deutschen NS-Verbrechen nehmen zu.
„NS-Gedenkstätten fungieren als konstante Projektionsflächen für antisemitische Handlungen in Deutschland. Es ist daher nicht verwunderlich, dass mit der starken Zunahme antisemitischer Vorfälle seit dem 7. Oktober 2023 auch die Zahl der Vorfälle am Tatort ‚Gedenkorte‘ angestiegen ist. Des Weiteren beobachten wir eine zunehmende Verknüpfung von Post-Schoa-Antisemitismus und israelbezogenem Antisemitismus. Entsprechende Parolen wie ‚Free Palestine from German Guilt‘ sind seit dem 7. Oktober vielfach von RIAS-Meldestellen in Form von Schmierereien oder Parolen auf Versammlungen dokumentiert worden. Die Infragestellung der Erinnerung und der Singularität der Schoa werden zunehmend, das zeigt unsere Dokumentation, mit Angriffen auf die Gründung und das Fortbestehen des jüdischen Staates verknüpft.“
Benjamin Steinitz, Leiter des RIAS Bundesverband
Podiumsgespräch
Im Rahmen der Podiumsdiskussion berichtete Deborah Hartmann, Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, vom Prozess einer antisemitismussensiblen Gestaltung von Institutionen. Sie schilderte, wie ihr Haus konkrete Vorkehrungen trifft, um antisemitischen Vorfällen zu begegnen, und betonte dabei die Bedeutung eines kontinuierlichen Monitorings und einer systematischen Auswertung erinnerungsabwehrender Formen des Antisemitismus. Zugleich benannte sie fehlende langfristige Stellenfinanzierung als zentrales strukturelles Hindernis für diese Arbeit. Das Gespräch weitete den Blick auf rechtsextreme Angriffe auf Gedenkstätten sowie auf die neuen Dimensionen der Verantwortung, die sich für Gedenkstätten in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft ergeben – nicht zuletzt in der Frage, wie pädagogische Vermittlung gelingen kann, wenn Gedenkstätten verstärkt als Projektionsflächen antisemitischer Haltungen missbraucht werden.
Die Handreichung steht zum Download beim RIAS-Bundesverband bereit.
